Traumatherapie Somatic Experiencing (SE)

Was ist ein Trauma?

Ein Trauma ist jedes überwältigende Ereignis, das unsere Schutzhülle durchbricht und uns mit einem Gefühl der Hilflosigkeit und des Kontrollverlustes zurücklässt.
Auslöser und Ursache eines Traumas kann alles sein, was unser Nervensystem überfordert: zu vieles geschieht zu schnell. Das Spektrum reicht von Unfällen, Operationen, Verletzungen, Verlust und Tod geliebter Menschen, emotionale Vernachlässigung und und Missbrauch in der Kindheit traumatischen Geburtserfahrungen, Vergewaltigung, Gewalt und Krieg.
In all diesen Situationen stehen uns Menschen drei angeborene Überlebensstrategien zur Verfügung: Kampf, Flucht oder Totstellen/Erstarren. Gelingen Kampf oder Flucht findet der Organismus auf natürliche Weise zu seinem Gleichgewicht zurück. Ist ein Ereignis aber so überwältigend, dass wir weder kämpfen oder fliehen können, werden diese Reflexe zwar ausgelöst können aber nicht erfolgreich ausgeführt werden. Als letzte Möglichkeit greift der Totstellreflex und führt zur Erstarrung. Die zuvor bereitgestellten Energien
zu Flucht oder Kampf bleiben im Nervensystem gebunden und werden nicht entladen. Diese im Nervensystem gebundene Energie nennen wir Trauma.

Welche Folgen hat ein Trauma?

Chronischer Stress und Trauma führen zu einer einengenden, blockierenden Reaktion im Körper, schwächen das Nervensystem und lähmen jede Form der Lebensenergie. Werden diese mobilisierenden Energien nicht entladen, bleibt die hohe Aktivierung im Nervensystem gebunden und der Organismus reagiert, als würde die Bedrohung weiterhin bestehen.
In der Folge – und oft erst nach Jahren – zeigen sich Symptome, die schwerwiegend und chronisch werden können.
Empfindungen, Gefühle. Überzeugungen, Verhaltensmuster und Reaktionsweisen in der Gegenwart sind oft an den überwältigenden Erfahrungen von Dort und Damals gekoppelt.
Für Betroffene entstehen verwirrende, beängstigende Symptome, beispielsweise Übererregbarkeit, Ängste ,Panik, Bindungsunfähigkeit, Gefühle der Entfremdung, Erschöpfung, Depression, Schlafstörungen und chronischer Schmerz. Traumasymptome können permanent vorhanden sein, kommen und gehen oder durch erneuten Stress ausgelöst sein. Oft bleiben sie jahrelang verborgen und kommen plötzlich zum Ausbruch. Üblicherweise treten Symptome nicht vereinzelt auf, sondern erscheinen in Gruppen. Häufig werden sie mit der Zeit komplexer und haben immer weniger Verbindung zum ursprünglichen traumatischen Ereignis.
Symptome , die sich unmittelbar nach dem Ereignis zeigen sind:

- Übererregung
- Anspannung
- Dissoziation (neben sich stehen) und Verleugnung
- Orientierungsstörungen
- Gefühl der Hilflosigkeit
- Erstarrung

Symptome, die später, oft erst nach Monaten und Jahren auftreten:
- Übermäßige Wachsamkeit
- Schreckhaftigkeit
- Flashbacks, bedrängende Bilder oder Rückblendungen
- Extreme Licht-und Geräuschempfindlichkeit
- Konzentrationsmangel
- Schlafstörungen, Alpträume
- Vermeidungsverhalten
- Suchtverhalten
- Selbstverletzung
- Ängste, Panikattacken, Phobien
- Bindungsunfähigkeit
- Vegetative Störungen
- Verdauungsprobleme
- Chronischer Schmerzen
- Depression
- Syndromale Erkrankungen (z.B. Migräne, Fibromyalgie)
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Ein Trauma kann jede Ebene unseres Lebens beeinträchtigen oder stören – körperlich, seelisch, geistig, spirituell und sozial.

Wie arbeitet SE?

In der Arbeit mit SE wird das traumatische Erlebnis körperlich und geistig neu „verhandelt.“ Dabei ist nicht das Ereignis selbst entscheidend, sondern die Reaktionsmuster des Nervensystems, d.h. wie die physiologischen Regulationskräfte des Nervensystems mit der Bedrohung fertig geworden sind. Mit SE ist es möglich, ohne Erinnerung zu arbeiten, wenn das Erlebnis zu belastend erscheint oder gar nicht erinnert werden kann.
Wesentliche Elemente dieser Arbeit ist Orientierung im Hier und Jetzt, Ressourcenbildung, Erdung, Nachspüren der Körperempfindungen, Gefühle, Verhaltensweisen, Gedanken Bilder und Bewegungen.
Zunächst werden mit dem Klienten jene Ressourcen entwickelt, die während der ursächlichen Situation gefehlt haben oder unzureichend waren. Auf dieser gestärkten Basis erfolgt die behutsame Annäherung an das traumatische Ereignis.
Eine Re-Traumatisierung bei der Aufarbeitung wird vermieden, indem die im Körper gebundene und „eingefrorene“ Energie schrittweise „aufgetaut“ , das heißt gelöst wird und sich u.a. in Form von Wärme, Zittern, Bewegungen, veränderter Atmung zeigt.

Durch die Technik des „Pendelns“ zwischen den Ressourcen und der traumatischen Erfahrung kann der Körper die Reaktion auf die Bedrohung von damals zum Abschluß bringen. Auf diese Weise findet das Nervensystem wieder zu seiner ursprünglichen Regulationsfähigkeit, die Symptome können sich lösen, Kraft und Selbstvertrauen kehren zurück.

Wer hat SE entwickelt?
Der Entwickler von Somatic Experiencing ist Dr. Peter A. Levine.
Der Gründer und Präsident der „Foundation for Human Enrichment“ in
Colorado, USA, hat sich mit dieser Non-Profit-Organisation zum Ziel gesetzt, die Beziehung zwischen Trauma und dem scheinbar endlosen Kreislauf von Gewalt und Krieg zu unterbrechen.
Dr. Peter Levine promovierte in Biophysik und Psychologie und hat in zahlreichen Kliniken und Schmerz-Zentren in den USA und Europa gelehrt.
Seine dreißigjährige Forschungstätigkeit in den Bereichen Stress und Trauma fand in vielen Publikationen ihren Niederschlag.
Auf Deutsch erhätlich sind die Bücher
„Traumaheilung – Das Erwachen des Tigers“
„Verwundete Kinderseelen heilen“
„Sprache ohne Worte“

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